Von Firnfrost und Winterrosen

Blutmond - Teil III

25. Peraine 1011 BF

Rik hört nicht auf zu packen, egal wie genau und eindringlich ich versuche ihm zu erklären, dass ich ihn nicht einfach so mitnehmen kann. Ich habe Sorge, er könnte aus dem Gut ausbrechen und mir nachreisen, aber dieses Risiko muss ich beinahe eingehen, oder?

Aber eins nach dem anderen, ich muss meine Gedanken erst einmal sammeln, um niederzuschreiben, was die letzten drei, sind es wirklich erst drei Tage, geschehen ist.

(22./23. Peraine 1011 BF) Ich konnte Rik nicht davon abhalten, seine Kiste zu packen, aber wenigstens ließ er sich dazu überreden, sich hinzulegen, der Tag war aufregend und anstrengend zugleich. Doch meine Nacht währt nur kurz, ich werde gegen ein Uhr aus dem Schlaf gerissen, zwei Werwölfe haben offenbar die Leibeigenen des Bronnjaren und die Ragaschoffs angegriffen. Scheinbar haben die Ragaschoffs zu einem Fest geladen als die beiden Werwölfe angriffen. Die Norbarden wurden regelrecht zerfleischt und in Stücke gerissen, die Leibeigenen, die im Übrigen völlig betrunken waren, wurden je zweimal gebissen und laut Zeugenaus-sage achtlos beiseite geworfen. Meine Kollegae, die von der Akademie wesentlich schneller vor Ort waren, als ich, haben schon die meiste Erstversorgung durchführen können, so dass ich mich mit den Verwundeten in die Akademie begeben konnte, um dort die weitere Versorgung zu übernehmen. In einer ruhigen Minute habe ich mit Uuhs Oduhn gesprochen, aber sein “Auch anderes Leben ist Leben” lässt mich vermuten, dass ich dieses Mal keinen weiteren Drachenschlund von ihm erwarten kann. Einmal ganz davon abgesehen, 15 gebissene Leibeigene mit je zwei Bissen, das wären 30 Anwendungen Drachenschlund, ich glaube, dass das selbst für ihn eine schier unmögliche Aufgabe wäre.

Also studiere ich wieder das Fachbuch, das Einzige wohlgemerkt, welches wenigstens einige Informationen über Werwölfe enthält. Offenbar werden wir die Werwölfe, die die Leibeigenen gebissen haben, töten müssen, wenn wir die Verletzten retten wollen, nur wie sollen wir das anstellen?

Ich bin so müde, aber zum Schlafen fehlt mir einfach die Zeit. Ich kehre zum Gut zurück und frühstücke erst einmal, dabei nutze ich die Gelegenheit, Laske und Gari von dem Überfall zu erzählen. Vor allem muss Garis Mutter davon erfahren, dass es einen Verdacht gibt. Der Händler Trjendov Wukschpaar soll ein Werwolf sein und sie steht doch, wenn ich das richtig mitbekommen habe, in engem Kontakt zu ihm, oder? Ich weiß schon gar nicht mehr, was ich zuerst tun soll.

Ifrundoch scheint die Fährte der Wölfe verfolgt zu haben, zumindest erzählt er mir das, während er mir einen Tiegel mit einer übelriechenden Enthaarungspaste übergibt, sowie einigen Haaren. Er meint, der Wirt in der Taverne, zu der die Spuren geführt haben, hätte ausgesagt, dass ein reicher Händler wohl dort übernachtet haben soll.

Ifrundoch fragt, wann es los geht und meint, er bräuchte noch mehr Wurfbeile. Sicher, wenn er sich – und hoffentlich auch uns – verteidigen will, muss er bewaffnet sein. Als ich ihn je-doch frage, ob er Geld hat, fragt er mich doch allen Ernstes was das sei, Geld. Ich sehe schon, dem muss Abhilfe geschaffen werden. Ich schreibe an die Akademie und liste auf, welchen Nutzen Ifrundoch für das Gut derzeit hat, immerhin versorgt er uns tagtäglich mit frischem Wild. Sicher, Rik ist das egal, aber ich sehe den anderen an, dass sie sich freuen, mal etwas Abwechslung auf dem Speiseplan zu haben. Ich bin mir sicher, dass die Akademie sich dafür erkenntlich zeigen wird.

Nach ein wenig Schlaf gehe ich in die Stadt zurück, die Angaben im Buch sind zwar recht eindeutig, aber wenn sich jemand mit Werwölfen auskennt, dann doch wohl Thulvje. Daher suche ich ihn in der Garnison auf, er hat sich die ganzen Finger zerschnitten, weil er mit einer Tonscherbe versucht, das Schloss aufzubrechen. Er lässt sich davon zwar nicht abbringen, aber immerhin darf ich ihm die Hand verbinden. Er bestätigt mir, dass die Wölfe, die den Angriff durchgeführt haben, getötet werden müssen, wenn wir die Leibeigenen retten wollen. Er sagt mir weiter seine Hilfe bei der Jagd zu, wenn ich ihn hier raushole. Ich bin mir sicher, dass er sich das ein wenig anders vorgestellt hat, zumindest seine Andeutungen, dass die Wache oben den Schlüssel habe, interpretiere ich so, aber ich habe eine bessere Idee. Ich gehe in die Norburg zum Grafen und erzähle ihm davon, dass Thulvje uns bei der Jagd behilflich sein will und dass er mir versprochen hat, pünktlich zur Gerichtsverhandlung wieder in der Zelle zu sein. Gerbald wirkt skeptisch, willigt dann aber ein, unter der Voraussetzung, dass Thulvje einen heiligen Eid auf die Herrin Rondra schwört. Ich hoffe sehr, dass diese Jagd von Erfolg gekrönt ist. So sehr ich das Töten verabscheue, das Leben von 15 Menschen hängt davon ab, dass diese Jagd erfolgreich verläuft.

Später erfahre ich, dass man Trjendov Wukschpaar festgesetzt hat, aber sich nicht sicher ist, wie man herausfinden kann, ob er ein Werwolf ist oder nicht. Die hohen Herren fragen mich, ob mir ein Zauber bekannt sei, der einen dazu zwingt, die Wahrheit zu sagen. Ich verspreche, dies in Erfahrung zu bringen und begebe mich in die Akademie. Dort wälze ich zuerst die Bücher und finde heraus, dass es wohl tatsächlich einen solchen Zauber gibt. Als ich die Do-zenten frage, ob sie wüssten, wer diesen Zauber beherrscht, werde ich an Bisminka von Jassula verwiesen, welche mir mitteilt, dass sie diesen Zauber sehr wohl könne, es aber eine große Gefahr wäre, da sie dazu den zu Verzaubernden berühren müsse. Zurück in der Norburg teile ich diese Erkenntnisse mit und wir überlegen, wie wir diese Gefahr minimieren können. Die hohen Herren haben offenbar eine, für sie passende, Lösung gefunden, zumindest wird Wukschpaar in sein Haus überführt, scheinbar soll es dort einen Kerker geben, der für diese Zwecke geeignet wäre.

Ich kehre noch einmal in das Gut zurück, in dem schon ein Brief von der Akademie auf mich wartet. Maschdawa hat 2 Batzen für Ifrundoch beigelegt, welche ich ihm überreiche. Auf sei-ne Frage, was er damit anstellen soll, biete ich ihm an, später mit ihm in die Stadt zu gehen und einen Schmied aufzusuchen. Der wird sicherlich ein oder zwei Wurfbeile für ihn fertigen können.

Im Gut läuft mir Tanile über den Weg, deren Haar nahezu vollkommen versengt ist. Offenbar werden sie und Rik keine Freunde werden. Rik ist ein wenig beleidigt, weil Tanile ihn mit Wasser bespritzt hat, aber nun gut, so lange es nur das Haar ist. Wie gut, dass Ifrundoch offenbar sehr häufig in meiner Nähe zu sein scheint, das vermittelt mir ein Gefühl der Sicherheit. Wir klappern insgesamt drei Schmiede ab, aber die haben alle Hände voll zu tun und sind dabei, sämtliches Silber einzuschmelzen, das sie auftreiben können, um daraus Waffen für die Norburg zu fertigen.

Manchmal weiß ich nicht, wo ich mit meinen Gedanken bin und genau das ist das Stichwort. Warum einen Wahrheitszauber sprechen, der mit Gefahren verbunden ist, wenn man auch in die Gedanken blicken kann. Ich teile dies, gerade noch rechtzeitig, den anderen mit und erkläre mich bereit, diesen Zauber bei den ersten drei Festgesetzten, Wukschpaar, dessen Kutscher und einer alten Dienstmagd, anzuwenden. Noch bevor ich die Treppen zum Keller hinunter gehe, hält mich Nadira Ilumkis auf. Sie teilt mir, nachdem sie sich versichert hat, dass wir alleine sind, mit, dass sie eine Tochter Satuarias ist und bereits einen Blick in die Gedanken von Wukschpaar getan hat. Sie erzählt mir, was sie gesehen hat, dass Wukschpaar seine eigene Frau und sein Kind als Werwolf ermordet hat, dass Marjeschka Karamir ebenfalls ein Werwolf ist, der Weißhaarige, um genau zu sein und sie sagt mir weiter, dass sie es sehr schätzen würde, wenn ich ihre Identität nicht preisgeben würde.

Ich weiß, dass die Töchter Satuarias nicht überall herzlich aufgenommen werden, aber vor mir braucht sie definitiv keine Angst zu haben. Und ich bin auch sehr froh, dass sie mir gesagt hat, was sie bei Wukschpaar gesehen hat, denn ich komme nicht zu ihm durch. Ich sage Gerbald jedoch dennoch, dass er ein Werwolf ist, ich vertraue Nadira diesbezüglich und Thulvje übernimmt es, Wukschpaar zu töten. Beim Kutscher habe ich mehr Erfolg, ich kann sehen, dass er ebenfalls ein Werwolf ist, dass Karamir der Leitwolf zu sein scheint und, was noch schlimmer ist, dass drei Werwölfe gerade auf dem Weg sind, das Gut anzugreifen. Ich schreie es förmlich heraus “Das Gut wird angegriffen! Er ist ein Werwolf und drei weitere dieser Kreaturen sind gerade auf dem Weg zum Gut! Ich muss sofort da hin!” Noch während ich dies rufe, machen sich Thulvje und Ifrundoch bereits auf den Weg, einzig Gerbald hält mich zurück, ich möge doch noch die Dienstmagd in Augenschein nehmen. Ich sehe, dass sie mehr Angst und Verwirrung als Wissen in ihrem Kopf hat, sie ist kein Werwolf und just als ich dies kundtat, eile ich auch schon los.

Ich renne so schnell mich meine Füße tragen können, Pjerow und Nadira begleiten mich. Schon von weitem erkenne ich einen hellen Widerschein, das Gut steht in Flammen. Ich schicke ein Stoßgebet zu Peraine und hoffe, dass es Rik ist, der sich wehrt, erfolgreich wehrt. Am Gut angekommen sehe ich bereits am eingedrückten Tor einen toten Werwolf liegen und im gleichen Moment höre ich einen Schrei, Garis Schrei. Ich eile in den Innenhof und sehe dort Laske blutend auf dem Boden liegen, eine klaffende Wunde in seinem Bauch, aus der helles Blut hervorquillt. In einer Ecke steht Gari, davor Thulvje, der sich schützend zwischen sie und einen Werwolf geschoben hat. Ich muss darauf vertrauen, dass Thulvje sie beschützen kann und knie sofort neben Laske nieder und beginne, einen Balsam zu wirken.
Aus den Augenwinkeln erkenne ich, dass Rik offenbar im Haus ist und gegen einen weiteren Werwolf kämpft, Funken sprühen, Feuerstrahlen lassen die Scheiben bersten, aber ich muss mich konzentrieren, auf Laske konzentrieren. Ich versinke beinahe in Trance und merke kaum, wie der andere Werwolf meinen Arm ziemlich übel zerkratzt, ich darf mich nicht ablenken lassen. Nur am Rand bekomme ich mit, wie Rik Tanile aus dem Fenster plumpsen lässt. Der Werwolf im Innenhof stolpert plötzlich über mich und reißt mich derart aus meiner Konzentration, dass der Zauber abbricht. Aber durch sein Stolpern kann er wenigstens getötet werden.

Kurz darauf flieht ein brennender und furchtbar stinkender Werwolf aus dem Haus und vom Gut, nur um kurz danach von Gerbald, der endlich auch angekommen ist, verfolgt zu werden. Mir bleibt keine Zeit mich auszuruhen, Gari, Nadira und ich beginnen unverzüglich damit, das Gut zu löschen, was uns, den Göttern sei Dank, auch gelingt. Rik taumelt schwer verletzt auf den Innenhof, am Rand einer klaffenden Wunde sprießt ein grau-braunes Haar, er wurde gebissen. Ich bete zu den Göttern, dass Gerbald dieses Biest zur Strecke bringt. Nach einer gefühlten Ewigkeit sehe ich, wie das einzelne Haar in einer kleinen Stichflamme aufgeht und weg ist, Gerbald scheint erfolgreich gewesen zu sein.

Noch während die Nacht erfüllt ist vom Rauch, höre ich, wie Pjerow mit jemandem zu reden scheint und ich gehe zu ihm. Ich sehe, dass er mit Libussa redet bzw. es versucht. Viel beunruhigender ist jedoch, dass Libussa etwas in die Asche vor sich gezeichnet hat. Die Norburg, zwei Männer und einen Werwolf! Woher auch immer sie das weiß, sie hat Rik damals auch von dem Feuer erzählt, daher eile ich hinaus und rufe, dass ein weiterer Werwolf die Norburg angreift, woraufhin Gerbald losreitet und Ifrundoch, der Thulvje auf dem Rücken hat mit Pjerow hinterher eilt.

Ich hoffe sehr, dass einer der Büttel, die Gerbald mit hierher gebracht hat, die Magier verständigt, mein Kopf schmerzt, ich fühle mich vollkommen ausgebrannt und doch bedarf es noch so viel Hilfe. Nur viel kann ich im Moment nicht tun. Ich bin so erschöpft.

(24. Peraine 1011 BF) Ifrundoch erzählt mir, als er ins Gut zurückkehrt, dass Thulvje seine Schwester gefunden und getötet habe und dass er noch immer in der Norburg sei. Ich beschließe, zu ihm zu gehen und finde ihn mit Pjerow neben der Leiche des weißen Werwolfs sitzen und eine Flasche Wein trinken. Sanft rede ich auf ihn ein, dass er mit mir mitkommen solle, wir nehmen seine Schwester auch mit, was wir dann auch tun. Im Gut angekommen erkenne ich, dass das Funkeln, das irre Glitzern in Thulvjes Augen verschwunden ist, fast so als wären seine Lebensgeister verschwunden. Ich vermute, seine Schwester zu fangen und zu töten war seine Lebensaufgabe und die ist jetzt erfüllt. Ich glaube, dieses Trauma wird noch lange brauchen bis es verarbeitet ist. Als die Praiosscheibe aufgeht, verwandelt sich seine Schwester zurück und eine nackte junge Frau, die mir unter dem Namen Karamir bekannt war, kommt zum Vorschein. Ich wickle sie vorsichtig in eine Decke ein und Golgarah, die gerade eingetroffen ist, macht sich sogleich daran, sie auf ihre Schultern zu heben und zum Boronanger zu tragen.

Als ich mich umdrehe sehe ich, wie Gari sich bei Ifrundoch bedankt. Da er sie nicht verstehen kann, übersetze ich für die beiden. Sie bedankt sich sehr herzlich bei ihm, weil er ihr so selbstlos geholfen hat, sie sucht beinahe schon den Kontakt zu ihm, habe ich das Gefühl. Ein guter Schritt in Richtung Heilung. Nur bei Laske stehen wir wieder am Anfang. Der Biss des Werwolfs hat in ihm wieder die wahnwitzige Vorstellung geweckt, dass er selbst ein Werwolf sei, auch die Argumentation, dass der Werwolf ja getötet worden ist, dringt nicht zu ihm durch. Also kann ich bei ihm wieder von vorne beginnen mit der Therapie. Wir werden sehen, was die Zukunft bringt.

Erst einmal ausruhen.

(25. Peraine 1011BF) Heute muss ich zurück in die Norburg, der Prozess von Thulvje steht an. Meine Aussage, dass Thulvje seinen Dolch tatsächlich nach dem Angriff damals auf die Kutsche verloren hat, scheint nicht zu reichen, aber ich erinnere mich daran, dass es doch diesen Wahrheitszauber gibt und Thulvje stellt keine Gefahr für den Zaubernden dar. Ich frage daher, ob es möglich wäre, mit diesem Zauber zu verifizieren, ob Thulvje der Mörder von Meister Frunun ist oder nicht. Als mir erklärt wird, dass dieser Beweis anerkannt würde, mache ich mich sofort auf den Weg zu Bisminka von Jassula, um sie zu bitten, uns behilflich zu sein. Leider teilt sie mir mit, dass sie nicht vor Gericht zaubern wird, dass dies keine Tochter Satuarias tun würde, aus Angst vor der Öffentlichkeit und dass ich, wenn mir etwas einfiele, doch Nadira fragen solle. Ich spreche mit Nadira, welche mir mitteilt, wenn es einen Weg gibt, dass niemand erfährt, dass sie eine Hexe ist, würde sie sich dazu bereit erklären und nachdem ich dies dem Gericht mitgeteilt habe und auch Gerbald sich damit einverstanden erklärt, dass die Befragung Thulvjes durch meine Quelle, wie ich Nadira genannt habe, in einem kleinen Raum stattfindet, in dem außer Thulvje und ihr nur noch Bisminka und ich anwesend sind als Zeugen, wird alles in die Wege geleitet um diesen Plan in die Tat umzusetzen.

In einem kleinen Raum warten Thulvje, Bisminka und ich auf Nadira, welche durch eine versteckte Seitentür hereinkommt. Sie fragt Thulvje, ob dieser Meister Frunun getötet habe und er antwortet darauf mit einem klaren Nein. Sobald Nadira wieder verschwunden war, nicht ohne Thulvje vorher das Versprechen abzunehmen, nichts über ihre Identität zu verraten, verkündet Bisminka, dass Thulvje nicht der Mörder sei und dieser wird vom Grafen Isidor frei-gesprochen. Auch wenn die Bevölkerung das nicht gerne sieht, wir werden von lauten Buh-Rufen und Pfiffen begleitet, verlassen Thulvje und ich die Norburg und gehen zum Gut zu-rück. Wer weiß, vielleicht wird uns Thulvje ja auf unserer Reise begleiten, ich glaube, er braucht eine neue Aufgabe in seinem Leben, um diesen wieder einen Sinn zu geben.

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Blutmond - Teil II

22. Peraine 1011 BF

Ich kann an zwei Händen abzählen, wie viele Stunden ich die letzten drei Tage geschlafen habe, aber nicht jede schlaflose Stunde war dieses Mal eine Katastrophe, ich beginne am besten mal von vorne:

Ich konnte bei Rik leider keinen Blick in die Gedanken erhaschen, seine Gedanken scheinen mir so andersartig, so fremd geradezu, ich werde einfach nicht schlau aus ihm. Ich hatte gehofft, nach dem Erfolg mit dem Bad, dass ich den Grund etwas herausfinden könnte und meinem Eindruck nach war er auch wirklich dazu bereit, dass ich in seine Gedanken blicken darf, nur leider half das trotz allem nichts. Nichtsdestotrotz gibt es bei Rik weitere Fortschritte, aber dazu später.

(19. Peraine 1011 BF) Die drei gefährlichen Tage bei Laske gehen wieder los, scheinbar hat er ein Huhn gerissen, während wir damit beschäftigt waren, Rik zu baden, aber ein Kollege von mir hat ihn dann in die Isolationszelle gesperrt. Sein Verhalten ist wie üblich, er wird immer animalischer. Dafür ist Paschjew geheilt, er verliert sein Fell, ich habe ihn im Laufe des Tages aus der Isolationshaft genommen und ihm erstmal ein Bad eingelassen, er konnte auch einige Angaben zu dem Überfall auf die Kutsche machen. Die drei zerstückelten Leichen, augenscheinlich Norbarden, haben die Kutsche überfallen und das Pferd mit einem Bolzen zu Fall gebracht. Paschjew gab an, dass zwei Kutschen unterwegs gewesen seien und er selbst nicht gewusst hätte, wen er transportiert, ob die Begleitung von Trjendov Wukschpaar oder ihre Doppelgängerin. Als die Norbarden die Kutsche angriffen, kam dann offenbar diese Bestie (seine Formulierung) und zerfetzte die drei Angreifer, seine Begleitung und ihn habe sie nur gebissen. Was danach geschah, ist mir ja bekannt, ich kam dazu, als Thulvje die Begleitung Paschjews erstach und konnte ihn gerade noch davon abhalten, ihm selbiges anzutun. Peraine sei Dank. Aber dank der Befragung des Bronnjaren war dies wieder ein sehr schlafloser Tag meinerseits, denn abends waren wir ja wieder eingeladen. Zusätzlich musste ich den Firun-Geweihten untersuchen, da Golgarah, die wie mir Tanile mitteilte, mit einer Marbidin ein hitziges Gefecht gehabt zu haben scheint, nicht anwesend war. Ich hoffe nur, dass sie mir nicht allzu böse ist.

Offenbar gab es am Vortag einen versuchten Brandanschlag zur zehnten Stunde. Nur heute sollte es noch schlimmer kommen, just nach dem Treffen von Gari und mir mit dem Bronnjaren bei Garis Mutter. Natascha hat dem Bronnjaren deutlich gemacht, dass sie ihm ein sehr gutes Angebot unterbreitet, dass dieses jedoch erlischt, sollte er mit den Ragaschoffs handeln. Da gehe ich mit ihr vollkommen konform. Gari hat es sehr zugesetzt, dass ihre Mutter dem Bronnjaren erzählt hat, was ihr Problem ist, sie meinte zu mir, das ginge ihn doch nichts an. Mir fiel auf, dass sie mehr und mehr verkrampfte bei dem Thema, weshalb ich mit ihr in den Innenhof gegangen bin und ein klärendes Gespräch geführt habe. Erst da bemerkte ich, dass sie eine Gabel dabei hatte, ich bin froh, dass ich schlimmeres verhindern konnte. Als wir uns gerade auf den Heimweg machen wollten, es war so um die elfte Stunde, bemerkten wir beim Nordtor ein großes Feuer, ich habe sofort den Kutscher zum Löschen geschickt und mich mit Gari in die Akademie begeben. Ich habe dabei festgestellt, unter Druck scheint Gari voll-kommen automatisch zu funktionieren, sie schneidet selbst Männer aus ihrer Kleidung ohne irgendein Anzeichen von Verkrampftheit oder Angst. Ihr Helferkomplex überwiegt offenbar ihr Trauma.

Ich bin froh, dass ich zur Stelle war und helfen konnte, die traurige Bilanz dieses Abends, man bemerke allein in der Akademie, 15 Schwerstverletzte, 12 mittelschwer Verletzte, auch Nadira Ilumkis kam zur Behandlung, sie hat eine Mutter und ihr Baby aus den Flammen gerettet, und leider auch ein Toter. Insgesamt hat das Feuer 30 Menschen das Leben gekostet.

Ich habe es übrigens Ifrundoch und Doram zu verdanken, dass die Bevölkerung Rik nicht aufgeknüpft hat, der rannte nämlich direkt in die Stadt bzw. wollte hinein, wurde an den Toren jedoch von den beiden abgefangen. (Doram ist augenscheinlich ein Zwerg, ein Ifirn-Geweihter mit kurz geschorenem Bart. So ganz blicke ich noch nicht durch, ob das so zwergisch ist, aber nun gut, er ist sehr hilfsbereit und scheinbar ein guter Jäger.) Die beiden brachten Rik dann zurück zum Gut, ein wenig lädiert zwar, aber lebend.

(20. Peraine 1011 BF) Als ich ins Gut zurückkehre, erfahre ich nur schlechte Nachrichten. Rik wurde zusammengeschlagen, dies jedoch aus gutem Grund, er hätte in der Stadt nicht lange überlebt, Tanile wurde von Thulvje überfallen, welcher Paschjew entführt hat. Ich weiß nicht, was Thulvje mit ihm vorhat, aber ich hoffe, dass Doram, Ifrundoch und Pjerow, welche sich auf die Suche nach ihm gemacht haben, ihn finden.

Das Feuer, welches in der Stadt gewütet hat, musste mit Sand gelöscht werden, ich frage mich, wie das gehen kann, ich sollte mir bei Gelegenheit in der Akademie ein Buch besorgen, welches Brandmittel behandelt, ich hoffe, wir haben eins in der Bibliothek.

Gegen Nachmittag war Paschjew plötzlich an der Tür, ich befand mich allein im Gut, da die anderen Adepten zur Aussage in Norburg waren. Nur leider kam Paschjew nicht allein, Thulvje war bei ihm und bedrohte mich mit einer Armbrust. Er sperrte mich in einer der Isolationszellen ein und nahm Laske mit den Worten “Ich heile dir jetzt mal deinen Patienten” mit. Nur gut, dass er Rik nicht ernst genommen hat, ich konnte ihn dazu bringen, mich aus der Zelle zu lassen. Was dann geschah, war noch viel surrealer. Rik machte mir verständlich, dass um Mitternacht der Firun-Tempel brennen sollte. Ich weiß nicht, woher er das wusste, aber ich habe ihm geglaubt. Noch während ich überlegt habe, wie ich verfahren soll, immerhin war ich alleine im Gut, kam Gerbald mit zwei Bütteln ins Gut. Ich habe nicht genau verstanden, weshalb, aber als ich ihm mitteilte, dass der Firun-Tempel brennen soll, wies er den einen Büttel an, vorzureiten und der zweite sollte im Gut bleiben. Gerbald packte mich und hievte mich auf sein riesiges Pferd und wir galoppierten los. Der Büttel, den er vorausgeschickt hat, hatte offenbar einen Unfall, sein Pferd lag am Wegesrand, nur gut, dass wir in der Akademie einen Magister haben, der sich mit Tieren besser auskennt, außerdem zählt jetzt jede Sekunde.

Angekommen in Norburg am Firun-Tempel eilt Gerbald direkt hinein und sieht eine Gestalt, welche in zerfetzte, zusammengewürfelte schwarze Kleidung gehüllt ist. Ich konnte nicht di-rekt erkennen, was er tat, aber auf einmal brannte der Tempel und Gerbald schlug wie wild auf die Gestalt ein, die sich nicht ein einziges Mal gewehrt hat. Die Büttel kamen sehr schnell zum Löschen und ich gab mein Bestes um den Brandstifter vor dem Tod zu bewahren, aber es gelang mir leider nicht. Während ich mich noch bemühte, das letzte bisschen Leben in seinem Körper zu halten, fiel mir eine Art Tagebuch auf und meine Neugier trieb mich dazu, es zu lesen, nachdem ich erkannte, dass ich nichts mehr tun konnte. Offenbar handelte es sich um einen Forscher, Wissenschaftler, ich weiß es nicht genau, dessen wissenschaftliche Neugier ihn dazu trieb, die Stadt anzuzünden. Angeblich würde das Feuer das Böse reinigen, welches auf dem Vormarsch wäre. Ich muss mir das alles nachher nochmal genauer durchlesen, jetzt gilt es erst einmal wieder zurück ins Gut zu eilen, ich glaube nicht, dass ein Büttel mit allen Patienten zurechtkommt.

Rajan tobt in einer Isolationszelle, der Büttel ist schier starr vor Angst, sein Schwert scheint nahezu geschmolzen. Auf Nachfrage sagt er, dass er Rik damit in Schach halten wollte, der versucht gerade einen Baumstamm zum Kamin zu zerren. Ich glaube, er ist mir ein wenig beleidigt, hatte ich doch eigentlich vor, mit ihm in die Stadt zugehen, um die Büttel zu warnen vor dem Brand. Ich wusste ja nicht, dass ich per Pferd reisen würde.

Es wird immer turbulenter, Doram, Pjerow, Ifrundoch und Thulvje kehren zurück, sie sagen, der Werwolf sei zur Stadt zurück geflohen und sie wollen ihn verfolgen. In einem Nebensatz erwähnen sie, dass Laske und Paschjew noch im Wald wären. Peraine sei Dank erklärt sich Ifrundoch bereit, mit mir zu den beiden zu eilen, Paschjew hängt kopfüber vom Baum, er hat vor lauter Angst die Kontrolle über seine Ausscheidungen verloren, scheint ansonsten aber unversehrt zu sein. Laske ist verletzt, aber, ich glaube es kaum, völlig normal. Auf mein Nachfragen erklärt er mir, dass er den Werwolf in den Nacken gebissen hat, weil er so unglaublich wütend auf ihn war. Wie damals, als Thulvjes Schwester angegriffen wurde, da war er auch sehr wütend auf die Bestie. Es ist Vollmond und Laske ist ansprechbar, verhält sich vollkommen menschlich, als wäre nie etwas gewesen. Zumindest hat Thulvje Recht behalten mit seiner Aussage, wenngleich seine Methode reichlich unkonventionell ist.

Immerhin wird heute meine letzte Nachtschicht sein, danach habe ich erstmal frei.

(21. Peraine 1011 BF) Golgarah ist enttäuscht von mir, aber ich glaube, sie hat mir schon längst wieder verziehen. In der Akademie habe ich Doram und Ifrundoch Uuhs Oduhn vorgestellt, Ifrundoch scheint sich bei ihm wohlzufühlen, er hat dort sogar übernachtet. Ich habe mich den ganzen Tag meinen Studien gewidmet, ich muss es doch ausnutzen, wenn ich mal ein wenig Ruhe habe, nur ganz zur Ruhe komme ich einfach nicht, es zieht mich zurück ins Gut.

(22. Peraine 1011 BF) Dort teilt mir Tanile mit, dass Rik den ganzen Tag nicht aus seinem Zimmer gekommen ist und dass Libussa angefangen hat, zu brabbeln! Ich sei ja nicht da gewesen, weshalb sie mir nicht Bescheid gesagt habe. Ich kann nicht verstehen, was Libussa sagt, aber ihre Lippen bewegen sich unablässig und sie fixiert die ganze Zeit einen Punkt im Nordosten, ganz gleich, wie ich sie hinsetze, sie dreht sich aktiv um und fixiert wieder diesen Punkt. In dieser Richtung liegt das Totenmoor, ob das was zu bedeuten hat?

Als ich zu Rik in das Zimmer gehe, sehe ich, wie er alles Mögliche und auch Unmögliche in eine Kiste packt. Er hat Kleidung von sich eingepackt, Stofffetzen, zertrümmerte Stuhl- und Schrankteile, er scheint zu packen. Ich habe mich zu ihm gesetzt und versucht, mit ihm zu reden. Er zieht mich zum Feuer und lässt darin kleine Figuren entstehen. Ich sehe eine sehr große Figur, ich vermute, es könnte Ifrundoch sein und eine sehr kleine, das bin wohl ich. Beide Figuren werden von einem Monster angegriffen und sterben dabei. Danach deutet mir Rik, dass er uns beschützen könne, wenn er mitkommt, eine dritte Figur entsteht, die dem angreifenden Monster einen Feuerball entgegen schleudert, das Monster stirbt, die drei Figuren leben. Rik bedeutet mir, dass er mitkommen will, wenn wir aufbrechen. Ich habe noch nie eine solche Aktivität von ihm gesehen und weiß im Moment nicht, wie ich mich verhalten soll. Ich bin mir sicher, dass der Bronnjar dagegen sein wird, ich glaube aber auch, dass Rik die Wahrheit sagt. Er meint, er hätte die Information über dieses Monster von Libussa, sie würde mit ihm in seinem Kopf reden. Was soll ich nur tun? Ich weiß, dass ich früher oder später eine Expedition ins Totenmoor machen werde, ich weiß auch, dass Ifrundoch dasselbe Ziel hat, vielleicht kann ich es ja einrichten, dass man Rik nachholt, wenn es daran geht, ins Totenmoor zu reisen. Auf Dauer mitnehmen geht einfach nicht, gerade am Anfang wird jede helfende Hand gebraucht und vor allem jedes Scheit Feuerholz. Rik würde sämtliche Vorräte jede Nacht aufs Neue verbrennen, wie er es hier im Gut tut, das wäre keine gute Idee. Ich hoffe, ich finde noch eine Lösung, ich weiß nicht warum, aber ich glaube Rik. Etwas Böses wartet auf uns.

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Blutmond - Teil I

19. Peraine 1011 BF

Die letzten Tage waren mehr als turbulent, ich bin gespannt, ob sich das die nächsten Tage weiter wie ein roter Faden durchziehen wird oder nicht.

Norburg hat immer wieder mal mit Werwölfen zu kämpfen gehabt, aber dieses Jahr scheint es besonders schlimm. Ich meine damit noch nicht einmal die Ereignisse zu Beginn des Winters, nein, ich beziehe mich hierbei auf die Gegebenheiten der letzten Tage. Ein offenbarer Hinter-halt auf die Kutsche der Begleitung von Trjendov Wukschpaar, wie ich im Nachhinein erfahren habe, der wiederum offenbar von einer Werwolfattacke unterbrochen wurde. Natürlich war Thulvje zur Stelle, wie sollte es auch anders sein, er hat der Leibwächterin, wie er sagt, den Gnadenstoß gegeben, da sie gebissen worden sei. Einen jungen Mann, Paschjew sein Name, konnte ich jedoch vor Thulvje bewahren. Offenbar scheint es sich jedoch dieses Mal tatsächlich um einen Werwolf zu handeln, die Symptome sind nahezu eindeutig, umso besser ist es, dass unser Erdelementar meine Bitte erhört hat und einen roten Drachenschlund wachsen ließ, ich hoffe, die Behandlung zeigt Erfolg.

(Notiz: Thulvje wird für den Mord an Meister Frunun verantwortlich gemacht → Kehlenschnitt mit einem seiner Silberdolche → im Rahmen der Kopfgeldjagd auf ihn hat er sich Zugang zum Gut verschafft und nebenbei ein paar interessante Informationen bezüglich Laske, ihm und seiner Schwester preis gegeben. Ich muss unbedingt mit Laske reden und evaluieren, ob Thulvje nicht selbst durch ein Trauma derart gezeichnet ist, dass es besser wäre, ihn in unsere Obhut zu nehmen. Er sagt, der Werwolf, der hier gerade wüte, sei seine Schwester, ich sollte auch mit Laske darüber sprechen, möglichst noch heute, bevor er wieder von Sinnen ist, morgen ist Vollmond.)

Ich weiß nicht, ob es am Schlafmangel lag, immerhin wurden sowohl ich als auch unser guter Rik die dritte Nacht in Folge geweckt, aber ich habe es doch tatsächlich geschafft, ihn freiwillig zum Bad zu bewegen. Allein durch gutes Zureden und viel Körperkontakt. Er hat zwar gezittert wie Espenlaub, schien mir aber so weit zu vertrauen, dass er mit mir in den Zuber gestiegen ist. Mir bleibt viel zu wenig Zeit um herauszufinden, was der Auslöser für diese Verhaltensänderung ist. Ist es der Schlafmangel? Die Tatsache, dass Rik drei Nächte in Folge sämtliche Holzvorräte verbrannt hat, die Laske tagsüber geschlagen hat? Noch einen Badetag kann ich mit ihm bestreiten, danach muss ich die weiteren Forschungen meinen Kollegen überlassen. Ich glaube, der Abschied von Rik wird mir schwer fallen.

Auch bei Gari gibt es Fortschritte, sie hat sich beim Abendmahl mehr als tapfer geschlagen und dass sogar, obwohl ein paar der Ragaschoff-Sippe anwesend waren. Ich bin sehr stolz auf sie. In einem anschließenden Gespräch meinte sie zu mir, sie fühle sich mit Laske an ihrer Seite besonders sicher, da sie ihn dann beschützen könne. Sie verneinte jedoch, als ich sie fragte, ob sie sich dadurch stärker fühlen würde, aber diesen Ansatz gilt es weiter zu verfolgen. Sie sagt selbst, dass sie glaubt, in der neuen Siedlung könnte es ihr deutlich besser gehen als hier, ich hoffe sehr, dass wir weiter auf einem guten Weg bei ihr sind.

Zurzeit haben wir einen Gast im Gut – er scheint sich hier wohler zu fühlen als in der Akademie – der uns, so hoffe ich beinahe schon, zu der neuen Siedlung begleiten wird. Er sagt, er kommt aus dem Norden, ist riesig und trägt einen Rock. (Muss eine der dort üblichen Sitten sein.) Er ist in eine von Thulvjes Bärenfallen geraten – jetzt weiß ich immerhin, wie ich diese Dinger wieder öffnen kann, das könnte mir noch von großem Nutzen sein – und sagt, dass er auf dem Weg zum Totenmoor sei, um dort eine große Dämonenspinne zu töten. Was auch immer er damit meint, aber er scheint mir ein fähiger Mann zu sein – zumindest ein fähiger Jäger – das könnte bei einer späteren Exkursion ins Totenmoor nützlich sein. Auch wenn er ein wenig vom Unglück verfolgt zu sein scheint, er ist jetzt gerade einmal etwas mehr als zwei Tage hier und brauchte bereits zweimal meine Hilfe, erst die Bärenfalle und danach ein Bolzen in seiner Brust.

Im Übrigen der Bolzen eines “besorgten Bürgers”, der eigentlich auf Kopfgeldjagd nach Thulvje gewesen war, wie er sagte. Ich habe diesen Mann zuvor noch nie in Norburg gesehen, aber ich komme ja auch momentan kaum aus dem Gut oder der Akademie heraus, die Arbeit nimmt mich sehr in Beschlag. Aber, er sieht gut aus, wie ich gestehen muss, weiß mit Worten umzugehen, ich bin ihm schon beinahe nicht mehr böse, dass er Thulvje fliehen hat lassen. Aber nur beinahe. Ich hoffe, die Büttel kriegen Thulvje, damit man ihm angemessen helfen kann.

Der Bronnjar wirkte anfangs nicht sehr erfreut darüber, dass ich ein paar meiner Schutzbefohlenen mitnehmen werde – ich habe mich im Übrigen für Libussa, Gari und Laske entschieden – aber als er Rik kennenlernte, meine ich direkt so etwas wie Erleichterung in seinem Gesicht gesehen zu haben, dabei ist Rik so eine gute Natur. Aber nun gut, ich habe ihm sehr detailliert und mit fundierten Informationen dargelegt, warum ich die drei anderen mitzunehmen gedenke und auch wenn er selbst es weniger zu verstehen schien, seine neue Haushofmeisterin schien interessiert zu sein, gerade auch am Schicksal von Libussa. Sie macht einen sehr ein-fühlsamen Eindruck auf mich und sie versteht etwas von ihrem Handwerk, ich glaube, sie und Gari könnten sich ebenfalls gut verstehen.

Heute Abend ist das Treffen vom Bronnjaren mit Natascha Petrilowska und Gari, bei dem auch ich anwesend sein werde. Ich hoffe, dass dieser Abend ruhiger verlaufen wird und Rik ausnahmsweise mal nicht das ganze Holz verfeuert, weil man uns aus den Betten holt. 

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Norburg

14. Peraine 1011BF

Ich beginne in wenigen Tagen einen neuen Abschnitt meines Lebens, meine Thesis und deren Bearbeitung bekommen neuen Raum, neue Möglichkeiten. Magistra Maschdawa Patriloff kam heute auf mich zu, um mir diese wichtige Neuigkeit mitzuteilen. Sie sprach von einem Bronnjaren, der eine neue Siedlung gründen wird und sehr wahrscheinlich eine Leibmagierin benötigt. Dieser Bronnjar wird aller Voraussicht nach in unmittelbarer Nähe des Totenmoores siedeln, ein persönlicher Unglücksfall zwingt ihn offenbar zu dieser Entscheidung, die Magistra hat sich diesbezüglich nur vage ausgedrückt.

So bedrückend ein Unglücksfall auch immer sein mag, mir eröffnen sich dadurch neue Möglichkeiten, Magistra Maschdawa hat erwähnt, dass ich die Möglichkeit haben werde, den einen oder anderen meiner Schutzbefohlenen mitzunehmen, so ich einen Sinn, eine Möglichkeit auf Heilungserfolg dahinter sehe. Sie scheint meine manchmal etwas ungewöhnlicheren Ansätze endlich zu respektieren.

(Notiz für später: das wöchentliche Bad für Rik rückt näher, ich muss unbedingt noch mit Nessa und Golgarah sprechen, ob der Einsatz eines Sapefacta eine denkbare Option für ihn wäre.)

Für übermorgen ist ein Abendmahl angedacht, bei dem ich den Bronnjaren kennenlernen werde. Ich sollte mir bis dahin genau überlegen, für welchen oder welche meiner Schutzbefohlenen ich mich entscheiden würde, wo ich die größten Aussichten auf einen Heilungserfolg sehe. Immerhin sollte ich meine Entscheidung mit den entsprechenden Argumenten untermauern können, ich weiß, dass die Akademie, gerade Nessa, sicherlich hinter mir steht, aber ob das auch für den Bronnjaren gilt?

(Notiz: Ich sollte auf jeden Fall Laske mitnehmen, dieser Thulvje hat schon wieder nach ihm gefragt. Ich habe die Befürchtung, dass es bald nicht mehr nur beim Fragen bleibt.)

(Notiz: Liste machen mit allem, was mitgenommen werden muss, was noch besorgt werden muss und was vorrätig ist. Kostenübernahme klären. Abschrift meines Buches von Mendilion auf keinen Fall vergessen!)

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